Gedanken zum Leben in Text und Bild

25.03.2020

Solidarität

von Katrin Wildi

Das Wort ist in aller Munde. Ein Fremdwort, oft mit Mitleid verwechselt, missverstanden. Unbeliebt in Zeiten des Egoismus und Individualismus. Solidarität. Das tut weh. Es kostet mich etwas. Aber was heisst es nun? Der Duden klärt auf:

  • unbedingtes Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele
  • auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Eintreten füreinander sich gründende Unterstützung

Zusammenhalten, gleiches Ziel, Zusammengehörigkeitsgefühl, füreinander Eintreten, Unterstützung. Das sind starke Schlagworte. Und gerade in Zeiten der Not, momentan verursacht durch die rasante Verbreitung des Coronavirus Covid-19, ist es eine unglaubliche Macht. Wie die Bibel schon sagt, ein Strick hält besser, wenn er aus drei Fäden geflochten ist (Prediger 4,12). Wenn wir alle zusammenhalten, erreichen wir unser gemeinsames Ziel und überwinden die Krise. Wenn jeder nur für sich schaut, sind die WC-Papier- und Nudelregale leer und Menschen gehen leer aus. Wenn junge Menschen sagen, sie hätten keine Angst vor dem Virus und ihr Leben weiterleben als wäre alles wie immer, sind sie eine Gefahr für die Schwächeren. Und wenn wir alle nicht zuhause bleiben, sind unsere Spitäler sehr schnell so überfüllt, dass Todkranken oder Verunfallten nicht mehr geholfen werden kann. Solidarität bedeutet das Gegenteil.

Solidarität bedeutet aber auch, Menschen Trost zu spenden, die sich zuhause eingesperrt fühlen, die Angst vor dem Tod haben, deren psychische Gesundheit ebenso gefährdet ist wie die physische Gesundheit der Risikogruppen. Es bedeutet, Rücksicht zu nehmen, zu verzichten, zu helfen, Umwege zu fahren, um Leuten Einkäufe vor die Tür zu stellen. Es bedeutet Abstand zu halten, selbst wenn es sich lächerlich anfühlt. Es bedeutet emotionale Nähe zu leben, während man physische Distanz einhält, wie der CEO meiner Firma sagte.

Solidarität hat die Macht, Leben zu retten. DDieser Gedanke, und die vielen Beweise, die es nebst den vielen Berichten über Infizierte und Massnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus in die Medien schaffen, verursachen bei mir eine Gänsehaut. Sie ermutigen und sie geben mir Hoffnung. In die Menschheit, in die Gesellschaft, in uns. Jeder und jede von uns kann solidarisch sein:

  • Für viele, viele heisst es, täglich ihr Leben zu riskieren, indem sie Erkrankte pflegen und ihr Leben retten. Sie sind unsere Helden in weiss, die unzählige Überstunden leisten und ans Limit gehen. Worte reichen nicht aus, ihnen zu danken, und doch sollten wir es tun – auch nach dieser Krise. Momentan können wir auch auf den Balkon stehen und ihnen applaudieren, alle in Solidarität.
  • Für viele, viele heisst es, im Supermarkt die Regale zu füllen, verbunden mit Überstunden wegen den vielen Angstkäufern. Sie kriegen unsere Launen ab, wenn der vor uns WC-Papier für ein Jahr gekauft hat. Und sie können uns kaum ausweichen in den engen Gängen. Auch sie sind Helden und ihnen gebührt Dank und Applaus.
  • Andere leisten ihren Beitrag, indem sie immer noch zur Arbeit gehen und so die Wirtschaft zumindest teilweise am Laufen erhalten.
  • Wieder andere bieten den Helden und den Risikogruppen ihre Hilfe an beim Einkaufen, weil sie nicht raus dürfen oder keine Zeit haben, oder sie unterhalten sich mit fremden Leuten am Telefon, wenn diese einsam sind und von Angst befallen werden.
  • Und für die überwältigende Mehrheit von uns heisst Solidarität einfach nur zuhause zu bleiben, die Hände richtig zu waschen und gesund zu bleiben. Ihr seid Helden!

Es sind ungewöhnliche Zeiten, aber sie werden uns für immer verändern. Sie verändern unser Denken und unser Handeln und sie schweissen uns zusammen. Und wer weiss, vielleicht sind wir künftig auch in Krisen solidarisch, die uns selber nicht so direkt betreffen?