Gedanken zum Leben in Text und Bild

13.05.2020

Wie gute Beziehungen gelingen können

von Hans Goldenberger

Beziehungen sind etwas sehr Kostbares, die Beziehung zu Gott und auch die Beziehung zu Mitmenschen. Darüber wurden schon viele Bücher verfasst – ich möchte drei Gedanken mit euch teilen, jetzt, wo Schritt für Schritt wieder in direkte Beziehungen treten können.  

 

Erstens: Für eine gute und echte Beziehung ist ein konstantes, aktives und gegenseitiges „Ja“ notwendig. Man muss auf das Gegenüber eingehen und  an de Beziehung dranbleiben.

Damit eine Beziehung zwischen zwei Menschen – oder Gott- bestehen kann, müssen beide Seiten etwas dazu beitragen und sich in den „Beziehungsprozess“ einbringen.

  • Eine völlig einseitige Beziehung ist ein Ding der Unmöglichkeit oder es ist dann eben keine Beziehung, sondern ich bin dann nur der Empfänger oder Geber.
  • Wenn eine Beziehung auseinanderfällt, sind mit Sicherheit auf beiden Seiten Fehler gemacht worden und wenn eine zerrüttete Beziehung wieder zusammengefügt werden soll, müssen beide Seiten damit einverstanden sein, gemeinsam auf das Ziel hinzuarbeiten, sodass die Beziehung bestehen bleibt.
  • Eine Beziehung kann nie einseitig überleben. Es kommt fast nie zu einer einseitigen Zerrüttung, und die Beziehung kann unter gar keinen Umständen nur von einer Seite aufrechterhalten oder wiederhergestellt werden.

 

Zweitens: Für eine gute und echte Beziehung muss ich bereit sein, mich auf mein Gegenüber einzulassen:

Was macht eine Beziehung aus? Geht es dabei lediglich um eine Reihe von Verhaltensweisen, um nach aussen gerichtete Kontakte, oder steckt noch mehr dahinter?

  • Weil wir nicht nur aus Materie bestehen, brauchen wir Menschen den geistig- /geistlichen Kontakt mit anderen Menschen, um uberleben zu können.
  • Kannst du dich an das letzte Mal erinnern, als du mit jemandem gesprochen hast und es auf beiden Seiten gefunkt hat? Ihr wart auf derselben Wellenlänge – oder wie auch immer man es ausdrücken mag.
  • Erinnerst du dich noch, wie du dich danach gefühlt hast? Belebt, angeregt, voller Begeisterung und irgendwie erfüllt. In diesem Gespräch bist du mit dem „Geist“ des anderen Menschen in Berührung gekommen. Und dieser Kontakt von Geist zu Geist kann durch nichts anderes ersetzt werden.

Was ist notwendig, damit es dazu kommt? Wenn wir jemandem an unserem Leben Anteil geben möchten, müssen wir bereit zum Austausch, zum Gespräch sein. Manchen Menschen bereitet dies keine Schwierigkeiten. Ihre Beziehungen sind lebendig und dynamisch. Anderen gelingt es kaum, oder aber sie wissen gar nicht, wie man solche Kontakte herstellt. Damit es zu wirklich echten und tiefen Freundschaften kommt, ist Echtheit und Vertrauen notwendig – ohne läuft da nichts.  Und in einem Gespräch merkt man schnell, ob man sich öffnen kann oder nicht!

Tipp: Reflektiere einige Gespräche und stelle dir die Frage: Hat mein Gegenüber auch nachgefragt, wie es mir geht oder hat diese Person nur von sich erzählt?

 

Drittens: Für eine gute und echte Beziehung, sind gemeinsame Schnittflächen, Begegnungen, und eine „physische“ Anwesenheit dringend notwendig:

Eine Beziehung ist ein eigenes, selbständiges Gebilde, eine Realität für sich, die neben den Personen besteht, aus denen sie sich zusammensetzt.

Ein Beispiel: In einer Ehe sind Mann und Frau zwei verschiedene Wesen. Dazu kommt jetzt die Ehemann-Ehefrau-Beziehung als dritte Wesensform. Das ergibt also eine gemeinsame Schnittfläche

 

 

Arbeit, Freizeit, Hobby, Ferien, gemeinsame Freunde, Glaube, Gemeinde usw. können weitere  Schnittflächen sein. Da sind zwar sehr verschiedene Menschen beieinander, aber sie haben gemeinsame Interessen. Das bringt sie zusammen und so entstehen oft innerhalb dieser Schnittfläche Beziehungen.

Aber ohne Interesse, Begegnung und „physische“ Anwesenheit läuft in einer Beziehung grundsätzlich nichts – jedenfalls nichts, was für das Gegenüber förderlich wäre.

Tipp: Reflektiere einmal deine „Beziehungen“ und überlege dir, wer denn da immer „aktiv“ ist, damit es zu einem Treffen oder einem Telefonanruf kommt. Wenn du immer der oder die Aktive bist, handelt es sich hier um keine Beziehung mehr und du müsstest dein Gegenüber damit konfrontieren.

Zum Schluss noch vier „Bausteine“, durch die eine Beziehung bestehen bleibt oder wieder „aktiviert“ werden kann:

  1. Liebe – der ausdauerndste Faktor
  2. Vertrauen – der zerbrechlichste Faktor
  3. Achtung und Ehrerbietung – der am meisten vernachlässigte Faktor
  4. Verstehen und kennen – der zeitaufwendigste Faktor.

 

07.05.2020

Händewaschen statt Handauflegen

von D. Wahl

Die Angst regiert leider auch in den Kirchen. Für alle Branchen hat der Bundesrat einen Weg aus dem Lockdown – einen sogenannten Corexit – aufgezeigt. Naja, das Gastgewerbe ging zunächst auch vergessen. Aber die Kirchen sind ganz untergegangen. Das hat mich beschäftigt. Dass Menschen Seelen haben, dass man auch um das geistliche Wohl bekümmert sein sollte, scheint heute den Regierungen nicht mehr wichtig zu sein. Landeskirchen wie auch Freikirchen sind zu lange ruhig geblieben und haben das geschluckt. Einen bemerkenswerten Artikel zu diesem Thema verfasste der Nidwaldner Nationalrat Peter Keller. Er warf dem Papst Unglaube vor. Das war zwar polemisch, aber der katholische Politiker legte den Finger auf einen wunden Punkt. Auf die Werteverschiebung: Social Distancing statt Gebet am Krankenbett, Hände waschen statt Handauflegen. Die Weisungen des Bundes gehen dem Heiligen, dem Unverletzlichen leider vor, schloss Peter Keller und zitiert Jesus: «Was seid ihr so furchtsam, habt ihr keinen Glauben?»

Regieren mit der Angst

Am Montag gehen die Schulen auf. Unser Kinder kehren zur Normalität zurück. Sie freuen sich. Gut 30 Prozent der Eltern fürchten sich aber, dass die Kinder das Coronavirus jetzt nach Hause schleppen könnten. Die Verunsicherung rührt nicht zuletzt daher, weil sich die Experten widersprüchlich verlautbaren liessen. Kinder sind kein Trigger von Coronaviren – Kinder sind genauso Virenträger wie Erwachsene, hört man. Selbst auf die grossen Experten ist offenbar kein Verlass. Und so lässt sich Angst kultivieren und die Bevölkerung in Furcht regieren.

Angst als Treiber und Motivator ist eine uralte Technik, um Menschen zu lenken und sie dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie sonst nie tun würden. Wie ein Virus hat sich diese Furcht verbreitet. Das lässt sich zum Beispiel sehen an den massiven Überkapazitäten, die die Spitäler zur Bekämpfung von Corona aufgebaut haben. Das lässt sich daran sehen, dass Kinder ihre Grosseltern nicht mehr besuchen kommen. Gegenseitiges Verpetzen gehört jetzt zur Tagesordnung. Eine Beziehungsfeindlichkeit hat sich über dem Land ausgebreitet, obschon die Christen das Gegenteil zu predigen hätten.

Mittlerweile ist die Furcht in der Bevölkerung so gross, dass man nicht nur Angst um sich selbst hat. Viele haben ihre Angst vielleicht sogar geistlich getarnt und sagen: «Es geht nicht um mich. Aber ich könnte jemanden anstecken, und mit dieser Schuld will ich nicht leben.» Auf den Punkt gebracht: Dein Nachbar könnte sterben wegen Dir.

Christen haben dem Geist der Furcht etwas entgegenzuhalten. Wir wissen doch, dass Gott über Leben und Tod entscheidet und wir aus seiner gütigen Hand sogar das ewige Leben haben: 5. Mo 32:39  Seht ihr nun, dass ich es bin, / ich und kein Gott neben mir? / Ich bin es, der tötet, / und ich, ich mache lebendig! / Ich, ich habe verwundet / und ich bin es, der wieder heilt! / Aus meiner Hand rettet euch keiner!

Realistisch bleibt die Bibel. Die Folgen der Sünden holen uns alle ein:  Adams und Evas Söhne und Töchter müssen sterben. Aber weil Gott durch den Erlöser Erlösung geschenkt hat, lautet der Grundtenor: Habt keine Furcht. Gegen das Virus der Angst gibt es eine geistliche Impfung. Das Rezept findet sich im 2. Timotheus 1,7: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Ausgerüstet mit dem Heiligen Geist wird man sich also nicht leichtsinnig verhalten. Aber kraftvoll und sicher ohne Furcht.

Daher wünsche ich allen einen furchtlosen Ausstieg aus dieser beziehungslosen und ungeistlichen Coronazeit, um wieder zurück zum Handauflegen zu kommen.

16.04.2020

Wenn uns der Pulsschlag der Gemeinschaft genommen wird

von Hans Goldenberger

Von den ersten Christen wissen wir, was zum Kern einer Kirche (Apg 2,42) gehört…

  • Lehre der Apostel (Predigt)
  • Gemeinschaft (zusammensein, einander ermutigen, trösten, helfen, begleiten…)
  • Brotbrechen (Abendmahl)
  • Gebet

Das fällt jetzt, wie wir dies kennen, weg oder wir müssen als Übergang neue Wege finden. Irgendwie dachte ich da einmal an Kirchen in China, «Untergrund-Kirchen», wie wir sie nennen, und doch bewirken sie in ihrem Umfeld viel.

Und jetzt ist uns die gewohnte Form der Gemeinschaft genommen, wir haben ein Veranstaltungsverbot …

Jetzt fehlt ein sehr wichtiger Bestandteil in meinem Leben – mir fehlt der Lebensraum der Gemeinde, der Gemeinschaft, das gemeinsame Unterwegssein. Mit Newsletter und Telefonanrufen oder Videoclips können wir für kurze Zeit eine Brücke schlagen, aber was fehlt mir denn an dem, was wir Christen Gemeinschaft nennen?

Letzte Woche schrieb ich einem Freund von der Kirche dieses SMS:

«Ein neuer Tag beginnt. Ein Tag im Bewusstsein, dass nichts Zufall ist, was geschieht, sondern dass Gott/Jesus jeden Augenblick da ist und nichts dem Zufall überlässt seine Gegenwart ist uns sicher.

Ja, was lernen wir wieder schätzen durch die Corona-Krise?, ich meine, wenn wir dann den Ausstieg irgendwann geschafft haben?

Da denke ich z. B. an ein Abendessen beim Chinesen mit einem lieben Freund wie dir, Gespräche, die bei Alltagsgeschehen beginnen und dann bei tiefen und persönlichen Themen und Fragen ankommen.

Aber weiter erinnere ich mich auch an etwas, das sich Gottesdienst, Kleingruppe, Männertreffen, Meilestei-Kurs oder My Life-Workshop nennt Treffen, wo Menschen, die mit Gott leben wollen und das nicht alleine tun wollen, zusammenkommen.

Ach ja, Gott gemeinsam anbeten, gemeinsam über sein Wort nachdenken, zusammen bauen, im Garten ein Bier trinken und so… Irgendwann habe ich einmal gehört, dass sich das Gemeinschaft nennt.

Und dann, nicht weil es das letzte wäre, aber weil ich mich auch noch daran erinnere, Lobpreis, davon habe ich auch schon gehört. Da sind Menschen, die zusammen singen, sich vom Stuhl erheben um ganz aktiv und bewusst auf diese Weise an Gott denken und ihn anbeten wollen.

Ja, zusammenkommen…, Nähe, Austausch, Umarmung, einander in die Augen sehen und zutiefst mitfühlen, wie es dem ANDEREN so geht. Emotionen, wenn ich sehe, wie ein Bruder, eine Schwester leidet oder mitteilt, was ihn/sie momentan so bewegt und wo der HERR im Alltag geholfen hat.

Das alles geht auf Distanz nicht. Eine ZOOM-Konferenz ist ein kleiner Ersatz, aber ein Treffen nach einem Arbeitstag in einem gemütlichen Restaurant, das habe ich noch in Erinnerung, das war toll wie ich das wieder schätzen werde, wenn es dann wieder möglich wird.

Mit diesen Zeilen grüsse ich dich und hoffe, dass es dir gut geht. Vermutlich hast du innerlich auch so eine Liste von “Lebenswerten Dingen», für die du “nach Corona” auch dankbar bist, wenn du sie wieder praktizieren kannst.»

Wie geht es dir? Fehlt dir die Gemeinschaft in der Kirche auch? Wenn Ja, dann schreibe uns doch (h.goldenberger@bewegungplus.ch), was dir fehlt und worauf du dich freust, damit wir alle neu schätzen, was bisher selbstverständlich schien.

25.03.2020

Solidarität

von Katrin Wildi

Das Wort ist in aller Munde. Ein Fremdwort, oft mit Mitleid verwechselt, missverstanden. Unbeliebt in Zeiten des Egoismus und Individualismus. Solidarität. Das tut weh. Es kostet mich etwas. Aber was heisst es nun? Der Duden klärt auf:

  • unbedingtes Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele
  • auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Eintreten füreinander sich gründende Unterstützung

Zusammenhalten, gleiches Ziel, Zusammengehörigkeitsgefühl, füreinander Eintreten, Unterstützung. Das sind starke Schlagworte. Und gerade in Zeiten der Not, momentan verursacht durch die rasante Verbreitung des Coronavirus Covid-19, ist es eine unglaubliche Macht. Wie die Bibel schon sagt, ein Strick hält besser, wenn er aus drei Fäden geflochten ist (Prediger 4,12). Wenn wir alle zusammenhalten, erreichen wir unser gemeinsames Ziel und überwinden die Krise. Wenn jeder nur für sich schaut, sind die WC-Papier- und Nudelregale leer und Menschen gehen leer aus. Wenn junge Menschen sagen, sie hätten keine Angst vor dem Virus und ihr Leben weiterleben als wäre alles wie immer, sind sie eine Gefahr für die Schwächeren. Und wenn wir alle nicht zuhause bleiben, sind unsere Spitäler sehr schnell so überfüllt, dass Todkranken oder Verunfallten nicht mehr geholfen werden kann. Solidarität bedeutet das Gegenteil.

Solidarität bedeutet aber auch, Menschen Trost zu spenden, die sich zuhause eingesperrt fühlen, die Angst vor dem Tod haben, deren psychische Gesundheit ebenso gefährdet ist wie die physische Gesundheit der Risikogruppen. Es bedeutet, Rücksicht zu nehmen, zu verzichten, zu helfen, Umwege zu fahren, um Leuten Einkäufe vor die Tür zu stellen. Es bedeutet Abstand zu halten, selbst wenn es sich lächerlich anfühlt. Es bedeutet emotionale Nähe zu leben, während man physische Distanz einhält, wie der CEO meiner Firma sagte.

Solidarität hat die Macht, Leben zu retten. Dieser Gedanke, und die vielen Beweise, die es nebst den vielen Berichten über Infizierte und Massnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus in die Medien schaffen, verursachen bei mir eine Gänsehaut. Sie ermutigen und sie geben mir Hoffnung. In die Menschheit, in die Gesellschaft, in uns. Jeder und jede von uns kann solidarisch sein:

  • Für viele, viele heisst es, täglich ihr Leben zu riskieren, indem sie Erkrankte pflegen und ihr Leben retten. Sie sind unsere Helden in weiss, die unzählige Überstunden leisten und ans Limit gehen. Worte reichen nicht aus, ihnen zu danken, und doch sollten wir es tun – auch nach dieser Krise. Momentan können wir auch auf den Balkon stehen und ihnen applaudieren, alle in Solidarität.
  • Für viele, viele heisst es, im Supermarkt die Regale zu füllen, verbunden mit Überstunden wegen den vielen Angstkäufern. Sie kriegen unsere Launen ab, wenn der vor uns WC-Papier für ein Jahr gekauft hat. Und sie können uns kaum ausweichen in den engen Gängen. Auch sie sind Helden und ihnen gebührt Dank und Applaus.
  • Andere leisten ihren Beitrag, indem sie immer noch zur Arbeit gehen und so die Wirtschaft zumindest teilweise am Laufen erhalten.
  • Wieder andere bieten den Helden und den Risikogruppen ihre Hilfe an beim Einkaufen, weil sie nicht raus dürfen oder keine Zeit haben, oder sie unterhalten sich mit fremden Leuten am Telefon, wenn diese einsam sind und von Angst befallen werden.
  • Und für die überwältigende Mehrheit von uns heisst Solidarität einfach nur zuhause zu bleiben, die Hände richtig zu waschen und gesund zu bleiben. Ihr seid Helden!

Es sind ungewöhnliche Zeiten, aber sie werden uns für immer verändern. Sie verändern unser Denken und unser Handeln und sie schweissen uns zusammen. Und wer weiss, vielleicht sind wir künftig auch in Krisen solidarisch, die uns selber nicht so direkt betreffen?